Grand Slam

Die Video-Performance 'Grand Slam' zeigt in Zeitlupe eine Frau in einem Tennis-Rock, wie sie mit einem Tennisball gegen eine leere Wand schiesst. Der Ball trifft die Wand mit zunehmender Intensität und hinterlässt dicken schwarze Flecken, als ob der Ball in Farbe durchnässt wurde. Es gibt Nahaufnahmen der weiblichen Oberschenkeln, ihres Munds, ihre Haare, die Seite ihres Gesicht, als sie den Ball immer wieder mit ihrem Schläger trifft. Alles an diesem Werk ist aggressiv. Die tiefe Resonanz der Ball gegen die Wand. Die Frau, die Schläger in der Hand, kraftvoll schwingt. Die schwarzen Flecken an der Wand, wo der Ball seine Spuren hinterlassen hat. Während die Hauptfigur, die Künstler selbst, immer müde aussieht. Vielleicht wegen des Kampfs, den Ball wieder und wieder auf die Wand treffen zu lassen. Marcin ist zwar in Richtung der feministischen Theorie und Praxis geneigt, veruscht sich aber einen neuen Kontext für die feministische Gespräch zu schaffen. In diesem Performance-Stück scheint sie ihr Publikum zu bitten, den Kampf in das Stück und darüber hinaus zu identifizieren. Aus kultureller Sicht scheint die Arbeit andere öffentliche Gespräche, die Frauen international führen, zu aufzugreifen. Marcin versucht nicht, die Frage zu beantworten, aber die Arbeit lässt vermuten, dass vielleicht der Kampf vielmehr mehr intern als extern wird.

Elephant

'Elephant in the room' ist ein englisches Idiom für eine offensichtliche Wahrheit, die ignoriert wird. In Marcin's 'Elephant' läuft die Protagonist, eine junge Frau, auf hochhackigen Schuhen und im leichten Sommerkleid durch den sonnigen Wald. Plötzlich zielt sie in verschiedene Richtungen und Schüsse ertönen. Während sie ihre Arme zum Schuss ausstreckt, trifft der Schuss in ihre eigene Brust ein und Blut rennt an ihrem Kleid hinunter. Sie setzt ihren Marsch leise und bewusst fort, bis sie auf einer Lichtung auf ein erlegtes Bambi, eine handgenähte Stoffpuppe, findet. Die Repräsentation des weiblichen Körpers als externes Angriffsziel steht im Widerspruch zu dem Fakt, dass die Frau sich selbst verletzt. Letztendlich findet sich die junge Frau in dem fremden Element des Bambi, eine grosse niedergestreckte Kreatur, widergespiegelt. Marcin erzählt leise und eindrücklich von dem Widerspruch der Erziehung und Selbstdefinition, sowie den gern vernachlässigten Faktor von Selbstbestimmung in Hinblick auf Verletzlichkeit.

Are you lonesome tonight?

Im 'Are you lonesome tonight?' stehen fünf Monitoren in Einbuchtungen einer bühnenartigen Skulptur mit den Farben der amerikanischen Flagge. Auf der Bühne ist ein Aluminiumpfosten, der ein überdimensionales Mikrofon mit den Farben der deutschen Flagge hält. Auf jedem Monitor singt eine andere Frau mit einer blonden Perücke 'Are you lonesome tonight?' von Elvis, das mit neuen Lyriken bestückt wurde: 'Sind Sie ängstlich heute Abend, Beten Sie heute Abend an? Sind Sie raurig, dass Sie keine Bindung teilen? Sehnt sich ihr Image nach einem hellen Sommertag (…)' Die Bühne ist leer und erscheint wie eine Einladung an den Betrachter auf sie zu steigen und selbst zu performen, dadurch ein Teil dieser choralen Oper werden. Die Bemühung und die Theatralität der Karaoke fordert zur Reflektion über den Modus von Selbstdarstellung in der amerikanischen Kultur nach. Durch die Überschneidung und Dopplung des Chores werden die (selbst) Anklagen des Textes in das Absurde getrieben. Die dem Entertainment innewohnende Qualität des sich Verkaufen und der Selbsttäuschung wird einsichtig als Suche nach der verlorenen Identität.

Sissi

Das Video wird auf einem 15" Monitor geloopt, der inmitten eines Monitorkartons mit Guckloch installiert ist. In der Mitte des Videos sitzt eine junge Frau auf einer Stange, umhüllt von einem gruseligen Gefühl von Beengtheit. Das Schwarz presst sich gegen die Frau in ihrer Exponiertheit und wird kontrastiert durch die warmen Töne ihrer Kleidung. Der leere, unglückliche Ausdruck in ihrem Gesicht evoziert den Beindruck von Isolation und Einsamkeit. Abrupt öffnet die Frau ihren Mund aber anstelle von menschlichen Tönen, kommt ein unerwartetes Geräusch eines Trällern. Das Zwitschern der Frau ist zugleich verblüffend, komisch, schockierend und surrealistisch. Sissi im imaginativen Käfig hinterlässt ein unbehagliches Gefühl von Amusement.

Alta Ego

Die Bildszenen zeigen jeweils eine beschleunigt abgespielte Performance der Künstlerin in extremer Perspektive: unten eine Art Ausdruckstanz zu Perkussionsrhythmen mit wilden Armbewegungen in Aufsicht, darüber in teilweise nur noch die Augen zeigender Nahsicht die affen- oder vogelähnlich keckernde Figur in rotem Kleid. Die runden Bildfenster werden von sich überlagernden, den ganzen Hintergrund ausfüllenden Feuerwerk begleitet, das die artifizielle Schwärze der Nacht zum leuchtenden Dekor, zum Farben sprühenden Rahmen der Videoperformance überhöht. Das Video verweist auf einen inneren Twist, als ob Lust und Trieb den rationalen Entscheidungen den Kampf erklären. (Georg Elben, Jumpnights, Museum Ludwig, Köln)

Katze und Bär

Das Video wird auf einem 17" Monitor geloopt, der in einem Holzhaus mit Fenster installiert ist. In einem kleinen Holzhaus wohnen 'Katze und Bär'. Sie können bei ihrem normalen Tätigkeiten wie essen, diskutieren, tanzen und Liebe machen beobachtet werden. Das kleine Haus dient als eine Metapher für unsere eigene Beschränkung und Grenzen. Während der Beobachter auf die lustigen, kleinen Kreaturen herunter schaut, begibt er sich eine überlegene Position, gleichzeitig wird das Leben in seiner Relativität widergespiegelt.

Losing Virginity

Durch einen Türspalt kann man in die Videoinstallation 'Losing Virginity' blicken, die aus drei Monitoren besteht. Auf dem mittleren Monitor hat man die Sicht auf zwei sich liebende Menschen aus der Vogelperspektive. Von einer hauchdünnen Hülle ummantelt, bewegen sie sich mechanisch hoch und runter. Auf dem linken Monitor sieht man eine Frau, die ihre Brüste berührt während sie den Satz wiederholt. 'Willst Du mich heiraten?'. Während sie ihre Brüste in Richtung ihres Gesichts drückt, kommt eine gelbe Creme aus ihrem BH. Auf dem rechten Monitor zeigt das Bild die selbe junge Frau, die in einer Katze Manier und auf allen Vieren einen Pudding aus einer Schale leckt. Während die Performerin selbst ihre Unschuld durch die sexuellen Handlungen in Frage stellt, wird der Betrachter als Beobachter in eine gleichartige Situation gestellt. Das voyeuristische Setup des Türspalt impliziert dieses Verhältnis. Eine Widersprüchlichkeit zwischen Verlangen, Abwehr, Lust und Widerwille begleite das Gefühl von dem menschlichen Zwist zwischen Trieb, Emotion und Kontrolle.